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Kriterien zur Auswahl der Planungsaktivitäten und Projektbeispiele

Praxisbeispiele und Projektideen sollen besonders zur Entwicklung inklusiver Gemeinwesen beitragen. Sie sollen darauf abzielen, Menschen mit Behinderung eine unabhängige Lebensführung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Die unten genannten Kriterien zur Auswahl von Inklusionsprojekten wurden im Forschungsprojekt ‚Inklusive Gemeinwesen Planen‘ erarbeitet.

 

Bezug zur UN-BRK

Die Aktivitäten sollen sich in ihrer Ausrichtung an der UN-Behindertenrechtskonvention orientieren. Diese gibt zu einer Vielzahl von Themen des Zusammenlebens von Menschen mit und ohne Behinderungen Impulse, die von Aktivitäten / Projektbeispielen aufgegriffen werden sollen. Einige Themen, wie beispielsweise Barrierefreiheit wurden auch bereits vor der Ratifizierung der Konvention diskutiert, so dass der Beginn der Aktivitäten auch schon zu einem Termin vor der Ratifizierung liegen kann.

 

Inklusive und partizipative Ausrichtung der Aktivitäten

Entsprechend der Konvention sollen Aktivitäten darauf abzielen, die Entwicklung inklusiver Gemeinwesen zu unterstützen. Eine besondernde, segregierende Gestaltung von Aktivitäten ist diesem Ziel nicht zuträglich, auch wenn diese als inklusiv bezeichnet werden sollten. Daher müssen die Projekte darauf untersucht werden, in wie weit sie dabei unterstützen, das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Sie sollen darüber hinaus Menschen mit Behinderungen und allen Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten der Beteiligung bieten. Eine inklusive Ausgestaltung zeichnet sich dadurch aus, dass die Aktivitäten (bspw. Kampagnen, Bilder o.ä.) keine defizitorientierte und bemitleidende Darstellung oder Angstapelle hervorrufen und auf ein einseitiges Bild von Menschen mit Behinderungen verzichten (Orientierung an der tatsächlichen Lebenssituation und Alltagssituationen). Sie sollen auf den Abbau von Diskriminierung abzielen. Inklusiv gestaltete Aktivitäten sollen aufgeschlossen gegenüber den Rechten von Menschen mit Behinderung sein, diese fördern und bewusstseinsbildend wirken. Im Sinne der Anerkennung der Vielfalt zählt hierzu auch die Darstellung verschiedener  Merkmale (Behinderungsformen, Personengruppen, Gender etc.). Neben der anzustrebenden Beteiligung sollen die Aktivitäten insgesamt die Handlungskompetenz von Menschen mit Behinderung stärken (Förderung der Selbstbestimmung und im Sinne des Empowerments). Die Aktivtäten sollen bestmöglich in ein umfassendes Mainstreamingkonzept eingebunden sein.

 

Gemeinwesenbezug

Die Aktivitäten sollen in diesem Verständnis vor allem auf die Veränderung des Gemeinwesens ausgerichtet sein, also schon vorhandene Strukturen nutzen und so (um)gestalten, dass sie sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderung nutzbar werden. Im Gegensatz zu einem besondernden oder integrativen Ansatz soll nicht zunächst der Mensch mit Behinderung „angepasst“ werden, sondern die sozial gestaltete Umwelt für alle Menschen zugänglich gemacht werden.

 

Keine exklusive Aktivität der professionellen Behindertenhilfe

Die Aktivitäten sollen nicht auf den Sektor der Behindertenhilfe begrenzt sein und auch andere Akteure des gesellschaftlichen Lebens mit einbeziehen. Die Inklusion von Menschen mit Behinderung setzt voraus, dass Behinderung nicht ein exklusives Thema bestimmter Organisationen ist. Daher können Projekte für ein inklusives Gemeinwesen von Organisationen der Behindertenhilfe initiiert werden, sollen aber auf eine Veränderung im Gemeinwesen ausgerichtet sein.

 

Nachhaltigkeit

Die Aktivitäten sollen darauf ausgerichtet sein, einen dauerhaften, nachhaltigen Effekt zu erzeugen. Aktivitäten die nur auf die Durchführung einer bestimmten Aktion abzielen erscheinen wenig geeignet, da Anpassungen des Gemeinwesens durch diese eher nicht zu erwarten sind. Letztere werden jedoch dann berücksichtigt, wenn nachhaltige Effekte von ihnen ausgehen oder sie sich verstetigt haben.Unter Planungsaktivitäten zur Entwicklung inklusiver Gemeinwesen werden systematische Prozesse verstanden, die auf der Grundlage eines politischen Beschlusses unter Federführung der Kommunen mit einem eindeutigen Bezug auf die UN-Behindertenrechtskonvention gestaltet werden.Die Aktivitäten sollten klare Zielformulierungen und Botschaften aufweisen. Ist eine Aktivität dauerhaft angelegt, ist ihre Wirksamkeit umso höher einzuschätzen.