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Sport für Menschen mit und ohne Demenz

„Locker vom Hocker“ – stadtteilbezogenes Sportprojekt des Lintforter Turnvereins 1927 e.V. - Kurzdarstellung (in der Analyse)

Kurzdarstellung der Aktivität

Eine Werbung für die Hockergymnastikgruppe. Es werden die Veranstalter, der Ort und die Zeit der Gruppe genannt.
© ltv-1927.de

Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten können vielerorts nicht gleichberechtigt an den allgemeinen Sportangeboten teilhaben. Der Lintforter Turnverein 1927 e.V. hat damit begonnen, dies in und für Kamp-Lintfort zu ändern. Gemäß dem Vereinsmotte „Wir lieben die bunte Vielfalt“ hat der Lintforter Turnverein in den vergangenen fünf Jahren sein komplettes sportliches und geselliges Vereinsleben in Hinblick auf Barrierefreiheit überprüft. Dort, wo Barrieren aufgefallen sind, hat der Verein versucht umzustrukturieren. So hat er zum Beispiel das Vereinsheim umgebaut, die Homepage neu gestaltet sowie Mitarbeiter sensibilisiert und qualifiziert.

Der Lintforter Turnverein hat außerdem an zwei landesweiten Projekten der Spitzenverbände im Sport teilgenommen. Zum einen am dreijährigen Projekt „Inklusion im Sportverein“, zum anderen am zweijährigen Projekt „Sport und Demenz“. In beiden Projekten war der Lintforter Turnverein Modellverein im Kreissportbund Wesel. Das aktuelle Projekt des Vereins „Locker vom Hocker – Sport für Menschen mit und ohne Demenz“ geht insbesondere auf das zweite Vorgängerprojekt „Sport und Demenz“ zurück. Im neuen Projekt geht es darum, Hockergymnastikgruppen für ältere Menschen mit und ohne demenzielle Erkrankungen aufzubauen und im Gemeinwesen zu verankern. In sogenannter „Schlappennähe“, d.h. nah am Wohnort wird den Betroffenen damit ermöglicht, weiterhin soziale Kontakte zu pflegen. Das regelmäßige Training in Form von Gymnastik mit Hockern beeinflusst außerdem den Krankheitsverlauf und das Wohlbefinden positiv. Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen bzw. chronischen Erkrankungen in der Gymnastikgruppe fördert zudem die gleichberechtigte Teilhabe an Sportangeboten und entlastet die Angehörigen der Betroffenen.

Das Sportangebot der Hockergymnastikgruppe knüpft dabei an das „Dorfcafé“ im Stadtteil Hoerstgen an. In diesem ebenfalls ehrenamtlich betriebenen Projekt gibt es für die Hoerstgener Einwohner/innen einmal pro Woche freitags für drei Stunden Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde Hoerstgen. Besonders für ältere und alte Menschen im Stadtteil bietet das Dorfcafé wohnortnah die Möglichkeit, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, sich auszutauschen und somit gut im Stadtteil älter werden zu können. Direkt im Anschluss an das Dorfcafé findet jeden Freitagnachmittag die Hockergymnastikgruppe statt. Dies ist das einzige Sportangebot im Stadtteil Hoerstgen und wird als solches von allen ansässigen Vereinen und Einrichtungen unterstützt. Die gute Kooperation des Lintforter Turnvereins mit der Freien evangelischen Gemeinde Hoerstgen, in deren Räumlichkeiten das Angebot stattfindet, sorgt dabei für feste nachbarschaftliche Strukturen und schafft entlastende Möglichkeiten wie Fahr- oder Erinnerungsdienste. Auf diese Weise hat sich eine recht stabile Gruppe aus ca. 12 bis 17 Teilnehmer/inne/n zusammengefunden.

Neben der Freien evangelischen Gemeinde (Räumlichkeit, gemeinsame Aktionstage wie z.B. der „Rollatorführerschein“) kooperiert der Lintforter Turnverein noch mit vielen weiteren Akteuren im Stadtteil und kann das Projekt „Locker vom Hocker“ auf diese Weise nachhaltig im Gemeinwesen verankern. So gewährleistet die zweite ortsansässige Kirchengemeinde, die Evangelische Kirchengemeinde Hoerstgen Krankenbesuche bei den Betroffenen. Die Freiwillige Feuerwehr bietet tatkräftige Unterstützung zum Beispiel bei Straßenfesten, beim Aufstellen des Tannenbaums und dem Einrichten eines kleinen Weihnachtsmarktes. Der Ortsverband Kamp-Lintfort des Rheinischen LandFrauenverbandes e.V. sorgt mit selbstgebackenen Kuchen und Torten für die Verpflegung im Dorfcafé. Auch mit zwei örtlichen Kindertagesstätten kooperiert der Lintforter Turnverein bei verschiedenen Veranstaltungen. Durch die vielfältigen Kooperationsbeziehungen wird deutlich, dass es dem Lintforter Turnverein um mehr als den reinen Sport geht: Es geht darum, möglichst umfassende Teilhabe an allen lokalen Angeboten und Diensten im Bereich der Freizeit und des Sports für alle Bürger/innen zu gewährleisten. Diese Verstärkung der quartiersbezogenen Arbeit war daher auch ein Bestandteil der zunehmend inklusiven Neuausrichtung des Vereins. Unter dieser Zielsetzung arbeitet daher auch die Hockergymnastikgruppe in Hoerstgen.

Leider verstarb nach der ersten Projektphase die Übungsleiterin der Gruppe. Daraufhin hat der Lintforter Turnverein eine neue Kollegin für den Sport mit älteren und demenziell erkrankten Menschen qualifiziert und übernimmt die Kosten für die Übungsleiterentschädigung, sodass das Projekt nachhaltig fortgeführt werden kann. Generell ist es für den Lintforter Turnverein im Zuge einer inklusiven Neu- und Umgestaltung des Vereinslebens (s.o.) in den vergangenen Jahren besonders wichtig gewesen, die Finanzierung der Angebote aus vereinseigenen Mitteln zu sichern. Der Verein hat sich dabei vollständig aus dem krankenkassenfinanzierten Rehabilitationssport zurückgezogen, um inklusive statt besondernde Sportangebote in den Vordergrund zu stellen.

Insgesamt knüpft der Lintforter Turnverein 1927 e.V. als mitgliedsstärkster breitensportlicher Verein in Kamp-Lintfort durch sein auf Inklusion ausgerichtetes Selbstverständnis sowie durch die Veränderungs- bzw. Verbesserungsbestrebungen und das Engagement insbesondere der letzten Jahre an die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention an. Besonders zu nennen sind hier Beiträge des Vereins im Sinne der Bewusstseinsbildung (Art. 8 UN-BRK), die durch die breiten Kooperationsbeziehungen, die starke Verankerung im Gemeinwesen sowie die Öffentlichkeitsarbeit erfolgen. Außerdem der Beitrag zur Umsetzung des Art. 30 UN-BRK: Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport

Lebensbereich

  • Sport
  • Freizeit
  • Gesundheit
  • Bürgerschaftliches Engagement (Ehrenamt)
  • Kommunikation und Interaktion (Netzwerkarbeit im Ort, bewusstseinsbildende Öffentlichkeitsarbeit)

Bildrechte

Die zur Illustration verwendeten Bilder wurden uns von den jeweiligen Projektverantwortlichen zur Verfügung gestellt. Dem Projektpartner bleiben alle Urheberrechte vorbehalten.